Zwei Jahre in der Energiebranche – Gedanken zu einem Markt, der sich rasch gewandelt hat

Ich bin nun seit etwas mehr als zwei Jahren hauptberuflich in der Energiebranche tätig, und obwohl es sowohl Höhen als auch Tiefen gab, glaube ich, dass ich noch nie zuvor in so kurzer Zeit so viel gelernt habe.

Was mich wohl am meisten überrascht hat, ist, wie schnell sich der Markt verändert hat.

Noch vor wenigen Jahren war der Markt für erneuerbare Energien vielerorts relativ unerschlossen. Projekte wurden zu ganz anderen Bewertungskennzahlen gehandelt, und viele Anlagen wiesen äußerst überzeugende Geschäftsmodelle auf. Viele Solarprojekte erzielten sehr attraktive Ertragsquoten, und in weiten Teilen des Marktes herrschte noch die Erwartung, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien fast automatisch zu soliden und stabilen Investitionen führen würde.

In relativ kurzer Zeit hat sich der Markt jedoch in vielen Fällen quasi selbst kannibalisiert.

Projekte, die früher einen Index von 107 aufwiesen, liegen nun bei etwa 79, da die Erfassungsraten gesunken sind, die Einspeisebeschränkungen zugenommen haben und das Stromnetz schlichtweg nicht mit dem Tempo mithalten konnte, mit dem Europa erneuerbare Energien ausgebaut hat.

Und ehrlich gesagt glaube ich, dass mir dadurch deutlich bewusst geworden ist, wie groß der Unterschied zwischen dem Aufbau einer Produktionsanlage und der tatsächlichen Integration dieser Anlage in ein Energiesystem ist.

Denn es stellt sich ja heraus, dass die Produktion nicht mehr die einzige Herausforderung ist.

An vielen Orten ist die Integration zum eigentlichen Engpass geworden.

Das ist auch der Grund, warum ich heute mindestens genauso viel Zeit für Folgendes aufwende:

  • Risikomanagement

  • regulatorische Bedingungen

  • Netzstruktur

  • Anschlussverträge

  • Projektentwicklung

  • Systemleistungen

…wie auf die Entwicklung selbst.

Was mich außerdem wirklich überrascht hat, ist, wie schnell sich Akkus von einer Nischenidee zu etwas entwickelt haben, das der gesamte Markt nun nachfragt.

Auf dem Papier macht das natürlich Sinn. Batterien können Systemleistungen schneller und kostengünstiger bereitstellen als viele herkömmliche Alternativen und gleichzeitig dazu beitragen, ein Stromnetz zu stabilisieren, das heute nicht mehr die gleiche natürliche Stabilität durch große Kraftwerke erhält, die den ganzen Tag über Strom produzieren.

Gleichzeitig können Batterien überschüssige Energie speichern, wenn die Strompreise einbrechen und die Nachfrage gering ist, um die Energie später wieder ins Netz einzuspeisen, sobald der Bedarf wieder steigt.

Das ist eigentlich ziemlich elegant.

Das Problem ist nur, dass nicht nur wir das bemerkt haben.

Es scheint fast so, als gäbe es heute in Europa kein Stromnetz, das nicht mit Batterieanträgen überlastet wäre.

Und es war für mich tatsächlich eine kleine Überraschung, wie primitiv viele dieser Verfahren immer noch sind. In vielen Ländern landen Förderanträge nach wie vor in einer großen schwarzen Kiste, wo die Projekte nach dem First-in-First-out-Prinzip bearbeitet werden, ganz gleich, ob das Projekt tatsächlich ausgereift ist oder lediglich aus einem Fleck auf einer Karte und einem Netzantrag besteht.

Das bedeutet, dass Projekte mit sehr schwacher Grundlage vielerorts neben Projekten bestehen, bei denen:

  • die Flächen sind gesichert

  • Die Projektpläne sind fertig

  • Die Investoren sind bereit

  • Die Technologie wurde ausgewählt

  • und das gesamte Ausführungs-Setup ist eingerichtet

…ohne dass das System wirklich zwischen ihnen unterscheidet.

Ich finde das eigentlich ziemlich beeindruckend, wenn man bedenkt, dass sowohl Unternehmen als auch private Investoren gleichzeitig eine enorme Investitionsbereitschaft zeigen, um Batterien zu errichten, die langfristig durchaus zu einem der wichtigsten Bausteine für die Stabilisierung des europäischen Stromnetzes werden könnten.

Die letzten Jahre haben uns ja gezeigt, dass eine stabile Internetverbindung nicht mehr selbstverständlich ist.

Der Stromausfall auf der Iberischen Halbinsel im vergangenen Jahr, bei dem weite Teile Spaniens und Portugals ohne Strom waren, hat deutlich gezeigt, wie anfällig das System sein kann, wenn große Mengen an erneuerbaren Energien in Echtzeit ausgeglichen werden müssen, ohne dass genügend Flexibilität und Systemleistungen zur Verfügung stehen. Millionen von Menschen waren ohne Strom, und der Vorfall war eine ziemlich eindringliche Erinnerung daran, wie sehr moderne Gesellschaften von einem stabilen Stromnetz abhängig sind.

Gleichzeitig gab Energinet Anfang des Jahres bekannt, dass das Netz an vielen Orten keine neuen Projekte mehr aufnehmen kann, und setzte daher neue Anträge aus. Und das ist natürlich ein wenig paradox, da ein Teil der zurückgehaltenen Batteriekapazität potenziell genau das ist, was langfristig dazu beitragen könnte, das Netz zu entlasten und die Erfassungsraten insbesondere bei der Solarstromerzeugung zu erhöhen.

Denn eine Batterie belastet das Netz ja nur sehr selten, wenn es am stärksten ausgelastet ist und die Preise ins Minus rutschen. Im Gegenteil: Die ganze Logik hinter dem Batteriegeschäft besteht ja gerade darin, Strom zu kaufen, wenn es zu viel davon gibt, und ihn wieder zu verkaufen, wenn die Nachfrage wieder steigt.

Ich glaube aber auch, dass sich erste Anzeichen dafür abzeichnen, dass sich der Markt in die richtige Richtung bewegt.

Die neuen Richtlinien von Energinet zur Priorisierung von Projekten, die Überlastungen im Netz reduzieren, sind meiner Meinung nach ein wichtiger Schritt. Die Kategorisierung von Batterien muss jedoch noch nachziehen, bevor das Netz für diese Art von Projekten wirklich geöffnet wird.

Gleichzeitig mit Redispatch 2.0 hat Deutschland versucht, bessere Rahmenbedingungen für Batterien und Flexibilität im Allgemeinen zu schaffen.

Ich habe eigentlich das Gefühl, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen, aber auch, dass noch ein langer Weg vor uns liegt.

Wir haben selbst seit fast zwei Jahren Anträge auf Batteriefördermittel in der Pipeline, die erst jetzt langsam der Bewilligung entgegengehen.

Eine wichtige Lektion für mich persönlich war daher wohl, dass Geduld in dieser Branche eine ganz besondere Tugend ist.

Und auch wenn sich der Markt manchmal langsam, chaotisch und extrem komplex anfühlt, bin ich nach wie vor fest davon überzeugt, dass die Batteriespeicherung in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle im europäischen Energiesystem spielen wird.

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Die ersten Batterien sind nun in Griechenland in Betrieb